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Zuschüsse: schnell auf Touren mit Geld vom Staat

730 Zuschuss­pro­gramme für Inves­ti­tionen mittel­stän­di­scher Betriebe gibt es bei EU, Bund und Ländern. Wer daraus Förder­mittel erhält, muss das Geld nicht zurück­zahlen. Aus Unkenntnis verzichten viele Firmen­chefs auf diese Unter­stüt­zung. Der Steu­er­be­rater hilft bei der Suche nach dem rich­tigen Programm und dem Antrag.

Stolz blickt Chris­tian Gerlach auf die neue Halle, die Maschinen, die Förder­bänder. Im September 2014 star­tete der Geschäfts­führer der Kappstein GmbH & Co. KG die Ferti­gung in Gotha. In Thüringen entstehen jetzt Kompo­nenten für Fahr­räder: Neben Motoren für E-Bikes und Hoch­leis­tungs­rit­zeln für den Bahn­rad­sport auch Tret­la­ger­ge­triebe mit zwei Über­set­zungen, die die Anzahl der hinteren Fahr­rad­gänge verdop­peln, sowie Naben aus Alumi­nium, die es per Hebel­schalter ermög­li­chen, zwischen Frei­lauf und starrem Gang zu wech­seln. Für den Standort Deutsch­land entschied sich Gerlach, damit die Firma mit austra­li­schen Wurzeln nah bei den Kunden produ­ziert. Und auch das Marke­ting spielte eine Rolle: „Uns war das Label Made in Germany wichtig.“ Dass der Frei­staat Thüringen ihn mit 1,4 Millionen Euro unter­stützt, erleich­terte dem Besitzer eines deut­schen und austra­li­schen Passes zusätz­lich die Rück­kehr: „Das Land fördert Unter­nehmen, die in der Region Arbeits­plätze schaffen, mit einem Zuschuss von über 40 Prozent.“ Dank guter Berater gelang es Gerlach, den GWR-Förder­topf (Gemein­schafts­auf­gabe Verbes­se­rung der regio­nalen Wirt­schafts­struktur) anzu­zapfen: „Ein Case-Manager der Landes­ent­wick­lungs­ge­sell­schaft hat uns sehr unter­stützt“, sagt er. „Und unser Steu­er­be­rater klärte die recht­li­chen sowie steu­er­li­chen Fragen und half bei der Antrag­stel­lung.“

Der Antrag bedeutet Aufwand So schnell und reibungslos kommen nur wenige Unter­nehmer an staat­liche Geld­ge­schenke. Die meisten Firmen­chefs wissen gar nicht, von wem es Zuschüsse für welche Vorhaben gibt – oder sie scheuen den damit verbun­denen Aufwand. „Das Angebot ist so unüber­sicht­lich, dass Unter­nehmer ohne Antrags­er­fah­rung kaum das passende Programm finden“, erklärt Frie­de­rike Welter, Präsi­dentin des Insti­tuts für Mittel­stands­for­schung (IfM) in Bonn. Zahl­lose Ansprech­partner erschweren den Über­blick in einem Laby­rinth von Wirt­schafts- und Forschungs­för­de­rungs­ein­rich­tungen, von Agen­turen für Arbeit vor Ort, von Bundes- und Landes­mi­nis­te­rien sowie -behörden oder von länder­ei­genen Inves­ti­ti­ons­banken. Außerdem gelten je nach Programm und Höhe der Förde­rung unter­schied­liche Antrags­vor­aus­set­zungen und Bemes­sungs­grund­lagen. „Die Programme sind noch zu wenig aufein­ander abge­stimmt“, kriti­siert Welter.

Wollen Mittel­ständler aus den 33 EU-, 149 Bundes- und 548 Länder­zu­schüssen die zu ihrem Vorhaben passende Geld­spritze finden, müssen sie sich recht­zeitig vor Projekt­be­ginn ausführ­lich infor­mieren. Der Steu­er­be­rater kann dabei wich­tige Tipps geben und einschätzen, ob die Planung etwa die Förder­vor­aus­set­zungen erfüllt. Erste Orien­tie­rung bietet die Förder­da­ten­bank des Bundes­wirt­schafts­mi­nis­te­riums. „Auch Lotsen­dienste, die Förder­be­ra­tung des Bundes für Forschung und Inno­va­tion oder die zustän­digen Förder­träger beraten Unter­nehmer und infor­mieren, worauf bei der Antrag­stel­lung zu achten ist“, sagt Niclas Rüffer, Experte für Inno­va­ti­ons­för­de­rung am Institut für Mittel­stands­for­schung der Univer­sität Mann­heim.

Zuschüsse gibt es für ganz unter­schied­liche Vorhaben: Quali­fi­zie­rung von Mitar­bei­tern, Messe­auf­tritte, Forschung und Entwick­lung, Koope­ra­tionen mit Unis und Forschungs­in­sti­tuten, Bera­tung, Umwelt­schutz- und Ener­gie­ef­fi­zienz-Maßnahmen und vieles mehr. Finanz­spritzen sind zudem ein beliebtes Instru­ment der Regio­nal­för­de­rung in struk­tur­schwa­chen Gebieten. Der Antrags­auf­wand lohnt sich, denn der Staat betei­ligt sich je nach Vorhaben und Unter­neh­mens­größe meist mit 15 bis 50 Prozent an den Kosten. In beson­derem Maße profi­tieren Tüftler und Erfinder. „Über zwei Milli­arden Euro an direkter Inno­va­ti­ons­för­de­rung fließen pro Jahr von den Ländern und vom Bund“, so Rüffer. Geld gibt es für Mate­rial- und Produkt­in­no­va­tionen sowie die Markt­ein­füh­rung neuer Produkte und Dienst­leis­tungen. Außerdem bezu­schusst der Bund Maßnahmen zur Ener­gie­ef­fi­zi­enz­stei­ge­rung in der Produk­tion bis zu einem Betrag von 1,5 Millionen Euro mit 20 Prozent. Wichtig ist: Wer das Geld will, muss den Förder­an­trag stellen, bevor er mit dem Vorhaben beginnt. Flagg­schiff der Zuschuss­för­de­rung ist das Zentrale Inno­va­ti­ons­pro­gramm Mittel­stand, kurz ZIM. Es unter­stützt Inno­va­ti­ons­pro­jekte kleiner und mitt­lerer Betriebe aller Bran­chen mit 122.500 bis 157.500 Euro. Die konkrete Förde­rung ergibt sich aus dem Förder­satz – 35 bis 45 Prozent je nach Sitz und Größe des Unter­neh­mens – multi­pli­ziert mit den förder­fä­higen Kosten von maximal 350.000 Euro. Derzeit erar­beitet das BMWi eine neue Richt­linie.

Es locken hohe Zuschüsse Zuschüsse erhalten auch Mittel­ständler, die Experten zur Beant­wor­tung bestimmter unter­neh­me­ri­scher Fragen ins Haus holen, etwa bei Außen­handel, Koope­ra­tionen oder Inno­va­tionen. Umwelt- und Ener­gie­ein­spar­be­ra­tungen helfen, die Produk­tion umzu­stellen und so dauer­haft die Kosten zu senken. Bis zu einem Höchst­be­trag spon­sern die Programme von Bund und Ländern meist 50 Prozent der Kosten für diese Experten. Eine Förder­höchst­grenze von insge­samt 200.000 Euro in drei Jahren gilt, falls die Geld­ge­schenke aus EU-Töpfen stammen. Außerdem fließen Bundes- und Landes­mittel nur, solange Gelder im Haus­halt zur Verfü­gung stehen. Bei großen Vorhaben ist es deshalb wichtig, den Antrag möglichst früh im Jahr zu stellen, wenn die Förder­töpfe noch voll sind.


ZUSCHÜSSE

Hierfür gibt es Förder­mittel



Betriebs­an­sied­lungen und -erwei­te­rungen
Schaf­fung von Jobs und Ausbil­dungs­plätzen
Aus- und Weiter­bil­dung von Mitar­bei­tern
Koope­ra­tionen, etwa in der Forschung
Produkt- und Prozes­s­in­no­va­tionen
Forschung und Entwick­lung
Viele Arten der Unter­neh­mens­be­ra­tung
Messe­teil­nahmen und Markt­er­schlie­ßung
Inves­ti­tionen in Umwelt­schutz und in
Ener­gie­ef­fi­zienz

Einen Über­blick über Zuschüsse gibt es unter anderem in der Förder­da­ten­bank des Bundes unter www​.foer​der​da​ten​bank​.de, bei der Förder­be­ra­tung des Bundes für Forschung und Inno­va­tion unter www​.foer​der​info​.bund​.de sowie beim Zentralen Inno­va­ti­ons­pro­gramm Mittel­stand (ZIM) unter www​.zim​-bmwi​.de. Mit Ihrem Steu­er­be­rater können Sie dann kalku­lieren, wie sich ein Vorhaben rechnet.


Quelle: TRIALOG, Das Unter­neh­mer­ma­gazin Ihrer Berater und der DATEV, Heraus­geber: DATEV eG, Nürn­berg, Ausgabe 01/2015

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